Länderprofil: Brasilien

Weltpolitik

Brasilien ist als Austragungsort der Fußball-WM 2014 seit einigen Monaten besonders in den Fokus des Interesses der Deutschen gerückt. In dem lateinamerikanischen Land selbst kommt es aufgrund der bevorstehenden Weltmeisterschaft immer wieder zu Tumulten. Die Verschwendung öffentlicher Gelder steht in der Kritik und auch am Weltfußballverband FIFA lässt man kaum ein gutes Haar. Aber wie sieht eigentlich die Politik in Brasilien aus? Wer steht hinter dem Austragungsort der bislang teuersten Fußball-WM?

Brasilien ist das flächenmäßig fünftgrößte Land der Erde. Es ist eine föderative Bundesrepublik, das heißt, es ist ebenso wie Deutschland in Bund, Bundesländer und Kommunen aufgeteilt. Es gibt 26 Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Brasilia im Bundesdistrikt. Jeder Bundesstaat wird von einem Gouverneur regiert. Die Gouverneure werden alle vier Jahre durch direkte Wahl bestimmt.

Das brasilianische Parlament (Congresso Nacional) besteht aus zwei Kammern, dem Abgeordnetenhaus (Câmara dos Deputados) und dem Senat (Senado Federal). Die 513 Abgeordneten werden für vier und die 81 Senatsmitglieder für acht Jahre gewählt.

Auch die Wahl des Präsidenten erfolgt direkt durch das Volk. Seine Amtsperiode dauert vier Jahre und er darf ohne Unterbrechung nur ein Mal wiedergewählt werden. Amtierende Präsidentin ist Dilma Rousseff. Sie ist zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschefin und vereint damit praktisch die Jobs von Angela Merkel und Joachim Gauck in einer Person. Gemeinsam mit dem Vizepräsidenten, den 39 Bundesministern und 13 staatlichen Agentur-Direktoren bildet sie die brasilianische Bundesregierung.

Die Parteienlandschaft Brasiliens ist stark zersplittert. Die wichtigsten Regierungsparteien sind derzeit die Partei der Arbeiter (87 Abgeordnete, 13 Senatoren), die Partei der Demokratischen Bewegung Brasiliens (75 Abgeordnete, 20 Senatoren), die Progressive Partei (39 Abgeordnete, 5 Senatoren), die Sozialistische Partei Brasiliens (23 Abgeordnete, 4 Senatoren), die Demokratische Arbeiterpartei (18 Abgeordnete, 5 Senatoren) sowie die Partei der Arbeit (19 Abgeordnete, 6 Senatoren). Sie bilden eine lose Koalition.

Ursache für die zahlreichen Streiks und Demonstrationen in Brasilien sind neben der Fußball-Weltmeisterschaft auch die im Oktober anstehenden Präsidentschaftswahlen. Denn die amtierende Präsidentin Dilma Rousseff wird erneut antreten und dass, obwohl ihre Partei für die zahlreichen Zwangsumsiedlungen, die toten Bauarbeiter und die hohen Ausgaben von Steuergelder für Stadienumbauten in Vorbereitung auf die Fußballweltmeisterschaft verantwortlich gemacht wird. Im Zusammenhang mit den Protesten wurden außerdem die Polizeikräfte aufgestockt und das Demonstrationsrecht eingeschränkt.

kurzinfo
 

Brasilianisches Parlamentsgebäude
Das Parlamentsgebäude stammt von dem brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer. In der Kuppelform links tagt der Senat und auf der rechten Seite, die in der Form an eine flachen Schüssel erinnert, ist das Abgeordnetenhaus untergebracht. Photo: Paul:74, unverändert
Dilma Rousseff
Die 66-Jährige ist seit dem 1. Januar 2011 Präsidentin Brasiliens. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin ist Mitglied der gemäßigten Linken Brasiliens. Photo: Blog do Planalto, unverändert
Luiz Alberto Figueiredo
Der Jurist ist seit dem 26. August 2013 Außenminister Brasiliens. Er löste seinen Vorgänger Antonio Patriota im Amt ab. Photo: Ministério das Relações Exteriores, unverändert

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