Wo politische Reden schon ‘mal eine Havanna wert waren…

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Ungarn spezial

 

Wer damals, Ende des 19. Jahrhunderts, in den Anfangszeiten des ungarischen Parlamentarismus, durch die Gänge des Parlamentsgebäudes schlenderte, wurde stets mit dem schweren Duft kubanischer Zigarren konfrontiert. Kaum war Sitzungspause, schon glimmte das erste Zigarrenende. In der Parlamentslobby steckte sich der eine oder andere Abgeordnete gerne einen Stumpen an. Wenn die Glocke die Abgeordneten dann zurück in den Plenarsaal rief, legten diese ihre Zigarren in einem der nummerierten Halter vor dem Eingang zum Sitzungssaal ab. Im Sitzungssaal war striktes Rauchverbot.
Wenn eine Sitzung dann einmal etwas länger dauerte, kam es nicht selten vor, dass in der nächsten Pause von der teuren Zigarre nur noch ein Haufen Asche übrig war. Deshalb sagt man in Ungarn auch heute noch, wenn man von einer guten politischen Rede spricht, dass sie “eine Havanna wert” war.
Heute verhindert das neue Rauchverbot für alle öffentlichen Einrichtungen Ungarns auch das Qualmen in der Lobby. Die Zigarrenhalter erinnern aber weiterhin an diese ganz besondere Tradition zu Beginn des ungarischen Parlamentarismus.

 

Lobby
In den Gängen vor dem Sitzungssaal zündeten sich die Abgeordneten gerne eine Zigarre an. Rechts an der Fensterbank sieht man einen Zigarrenhalter. Photo: ©Politik.eu
Zigarrenhalter
In den nummerierten Zigarrenhaltern konnten die Abgeordneten ihre Havannas ablegen. Photo: ©Politik.eu
Plenarsaal
Der ungarische Plenarsaal musste stets rauchfrei bleiben. Photo: ©Politik.eu

 

 



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